Freitag, 4. Juni 2010

Fronleichnam

Hallo Welt. Jetzt blogge ich auch mal mit. Weil ich im Internet einen Haufen Leute gefunden habe, die die Kirche lieben, so gut und schlecht, wie sie ist. Weil ich offensichtlich nicht alleine bin (außer wenn der Pfarrgemeinderat tagt). Weil es noch viel mehr von uns gibt, die endlich ihre Stimme erheben müssen und ein wenig Freude am Glauben in die Welt hinausbloggen.
Und weil gestern Fronleichnam war. Hier in meiner berufsbedingten Diaspora. Ich war also auf das Schlimmste vorbereitet, aber es kam noch schlimmer. Am "Catholic Pride Day" wurde man priesterlicherseits nicht müde, der Gemeinde unter die Nase zu reiben, dass man sich angesichts der jüngsten Enthüllungen doch sehr schämen müsse als Katholik.
Nun ja, ich weiß nicht, was die sehr zahlreich um den Altar versammelten Herren sich selbst vorzuwerfen haben, mir jedenfalls wurde nie und nimmer durch einen Priester etwas Schlimmeres angetan als die Verabreichung heiliger Sakramente. Das Glück hatte nicht jeder, dessen bin ich mir wohl bewusst, aber die eigentliche Vertuschung findet Tag für Tag in hundsordinären Familien statt, wer findet die gesamte Kirche sei aufgrund der verjährten Verfehlungen einiger Schweinehunde gründlich diskreditiert, der kann sich auch von seinem eigenen Vater lossagen, denn dann wären Vaterschaft und Familie ebenso gründlich diskreditiert (was mit Sicherheit auch nicht ohne Absicht geschehen wäre). Der glaubt wohl auch, solche plötzlichen Enthüllungen vor der Vollversammlung der "Wir wollen Barrabas"-Rufer, die im Erscheinen marGOTTes kulminiert, seien purer Zufall und journalistische Qualitätsarbeit.
Aber ich schweife ab: mancher konnte sich der Prozession nicht anschließen, da er nicht hinter Corpsstudenten (!!) in voller Montur hergehen wollte. Jaja, dass die Monstranz aussieht, wie ein Modell des Atomiums in Brüssel, und dass keiner der Himmelsträger sich im Stande sah, eine Krawatte zu binden, ist voll in Ordnung, aber konservative (!?) Katholiken, die sich so richtig rausputzen und bei der Wandlung ehrfürchtig salutieren sind Pfui Deibel (ebenso wie Latein, die Lesung und die Fürbitten gab es in so ziemlich jeder seit Babel verfügbaren Sprache, außer Esperanto und der Muttersprache Europas, und weil sowas dauert wurde man ausdrücklich aufgefordert sich doch hinzusetzen). Das Prozessiönchen, für das die Polizei den Fahrradstreifen eigens abgesperrt hatte, führte natürlich in die hässlichste Kirche der Stadt (wer die Mutter Gottes sucht, findet sie in der Nähe der Rumpelkammer, pardon des Beichtraumes, man sitzt ganz demokratisch um den Altarraum herum, um nur ja zu verdeutlichen, wie bedeutungslos die Weihe ist, damit man in einigen Jahren alle Priester Deutschland konzelebrativ um ein Stück hässlichstes Büromobiliar versammeln kann, um des Sohn eines Handwerkers würdig zu verehren).
Nene, nächstes Jahr fahre ich nach Hause, in die Eifel, wo man so katholisch ist, dass es den Bischof peinlich berührt, wo man weiß, dass Untertreibung unkatholisch ist und jede Prozession das heimliche Motto "Gott mit uns und Schmach dem Nachbardorf" trägt (jaja, ist nicht Sinn der Sache, aber Spaß an der Freude ist auch nicht verboten).
Wenn das jetzt zu polemisch war, dann war das eine psychologisch-hygienische Notwendikeit, für die man sich bei der SZ-Redaktion bedanken darf.

Kommentare:

  1. Willkomen im Club! Hier ist zwar nicht von Bartschatten die Rede, aber dennoch gefällt mir dein Beitrag!

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  2. Adoptivsohn eines Handwerkers ist natürlich gemeint....

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  3. Eine Vielzahl der katholischen Blogs wird ja mittlerweile aus Gründen der persönlichen Psychohygiene geführt. Nicht, dass man darauf stolz sein sollte, aber es erleichtert irgendwie ungemein den Umgang mit den Mainstreammedien. Und nein, es bedeutet nicht automatisch, dass interessierte Agnostiker sich abgestoßen fühlen, weil man nicht fromm genug schreibt. Oft genug ist ja glücklicherweise das Gegenteil der Fall.
    Außerdem dient es der gegenseitigen Aufheiterung, was ich niemals unterschätzen würde.

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  4. @alle: Danke für den Zuspruch!!
    @Elsa: es entspricht meiner Erfahrung, dass Kampfkatholizismus besser ankommt als Apologetik. Das sollte natürlich nicht in überbordenden Stolz ausarten, aber es gibt keinen Grund sich zu schämen.
    Und einfach zu sehen, dass man nicht alleine ist, ist schon sehr aufheiternd, nach den Erfahrungen die man so sammelt, in seiner Gemeinde.

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  5. Ich frage mich sowieso schon, wieso nicht mal wer Offizielles einen Befehl herausgibt, wonach diese an sich ja tatsächlich beschämenden Vorfälle endlich mal wenigstens im Gottesdienst nicht mehr erwähnt werden sollen und der Befehl selber auch nicht erwähnt werden soll. Zur Hebung der Stimmung im Gottesvolk: Irgendwann muß eine Ruhe sein und das Schuldbekenntnis wieder vors Kyrie hin, wo es auch hingehört. Und es ist ja auch nicht so, daß es allzu viel gäbe, was noch nicht gesagt worden wäre, oder täusche ich mich da? (Dies in aller Demut und Gehorsam gegenüber den Offiziellen gesagt.)

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  6. Also unser Kardinal hat's ganz am Ende indirekt angesprochen und für seine Worte, daß wir nicht in die Gosse gehören, Beifall geerntet.

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  7. Dein Ton gefaellt mir!
    Herzlich willkommen!

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