Samstag, 4. Juni 2011

Was würde Jesus dazu sagen?

Einen schönen, treffenden Artikel über das hypersozialkritische Mainstreamchristentum findet sich im European.
Der Artikel bezieht sich zwar auf die lieben BrüderInnen und SchwesterEr von der EKD, die an gar nichts mehr glauben, außer an den großen ganz doll lieben Friedefreude-Eierkuchen; allerdings ist die kritisierte Tendenz zum transzendenzfreien Politchristentum ja auch manchen katholischen Kreisen nicht fremd. Man sieht also deutlich, was bei aller reformeifrigen Anbiederung an den Zeitgeist herauskommt: völlig langweilige Entbehrlichkeit-man hat nichts mehr zu bieten, das es anderswo nicht origineller und authentischer gäbe. Soll also hinterher keiner sagen, man sei nicht gewarnt worden.

Kommentare:

  1. Aufrgund eines Beitrages zweier Männer auf dem Kirchentag darauf zu schließen, die EKD glaube an nichts, ist ja wohl ein gewagter hermeneutischer Fehlschluss.

    Und das Einsetzen für Gerechtigkeit und Schöpfung hat natürlich mit dem Glauben an Christus und seiner Botschaft gar nichts mehr zu tun.

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  2. Nö, bei Licht betrachtet ist es eine polemische Überspitzung.
    Was ist Gerechtigkeit? Ist es gerecht, dass nach Abzug aller Abgaben, direkten und indirekten Steuern von meinem Bruttolohn gerade mal der Hartz IV-Satz übrig bleibt?Ist der Mensch überhaupt in der Lage gerechte Verhältnisse herzustellen? Muss ich als Anhänger der Botschaft Jesu Energie sparen, Biogemüse futtern und den Handel mit Elfenbein bekämpfen?
    Ich denke, als Christ darf ich Kapitalist sein und den Kaffeepreis für gerecht halten, der sich am Markt durchsetzen lässt. Ich denke, dass der Mensch gar nicht in der Lage ist, wirklich gerechte Verhältnisse herzustellen, es bleibt ihm nur die Hoffnung auf das Reich Gottes. Ich denke, dass die Welt untergehen wird, wenn Gott das will, und nicht weil ich zu viel Auto fahre oder billigen Atomstrom verbrauche.
    Aber ständig wird mir, auch von Dir hier, suggeriert, ich sei ein schlechter Christ wegen dieser Überzeugungen. Ein guter Christ muss mit dem Parteiprogramm der Grünen übereinstimmen! Und ein aufgeklärter Mensch, der noch alle Tassen im Schrank hat, kann doch nicht an Jungfrauengeburt und Heilige Engel glauben! Glaubst Du denn dran?

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  3. Dass du ein schlechter Christ bist wollte ich weder sagen noch suggerieren. Wenn ich das getan hab, tut es mir leid, da mir solche Wertungen fern liegen.
    Schon gar nicht wollte ich die Aussage treffen, dass man als Christ mit dem Parteiprogramm der Grünen übereinstimmen muss. Dennoch finde ich, ist es auch unsere Aufgabe unter den Ungerechtigkeiten dieser Welt zu leiden und gegen sie aufzuschreien, so wie Christus darunter gelitten hat. Ist das die einzige Lehre einer Kirche, hat sie ihre Existenzberechtigung verwirkt. Ist die Diakonie aber nicht Teil einer Kirche, ignoriert sie die Missstände dieser Welt, bröckelt ihre Legitimation ebenfalls. Nehmen wir Atomenergie, haben wir nicht laut dem Schöpfungsbericht die Aufgabe übertragen bekommen, für Gottes Schöpfung zu sorgen? Oder das Beispiel Kaffee. Kann es im Sinne der Bergpredigt sein, dass Menschen verhungern, sich keine Medizin oder gar Essen leisten können, nur damit wir billigen Kaffee trinken und das auch noch gerecht nennen? Schwierig.
    Versteh mich nicht falsch, ich will keine Kirche, die einem Linkenparteitag gleicht, was sie sagt, muss theologisch und in Christus fundiert sein. Aber die Missstände dieser Welt hinzunehmen und einfach nur zu sagen, irgendwann wird alles besser, kann auch nicht unsere Aufgabe sein und ist in meinen Augen auch nicht gerade in Christus fundiert.
    Aber nochmal, ich möchte nicht sagen, du seiest ein schlechter Christ. Das hängt am Glauben und wer bin ich, den zu beurteilen. Was die Jungfrauengeburtgeburt betrifft, dazu habe ich in Johannes Blog ausführlich Stellung bezogen bzw. in meinem eigenen:
    http://vita-in-deum.de/blogs/die-roehre.html

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  4. Lieber Benni, was ich sagen will ist nur, dass es uns nach menschlichem Ermessen nicht gelingen kann, die perfekte, die gerechte Welt für alle zu schaffen. Bleiben wir beim Beispiel Kaffee: wenn die Marktpreise für meine Lieblingsbohnen sehr hoch sind, fangen plötzlich auch die Vietnamesen an, Kaffee zu pflanzen. Das erhöht das Angebot, was wiederum ein Sinken des Preises zur Folge hat, möglicher cWeise so weit, dass ein kleiner Kaffeebauer vom Ertrag nicht mehr leben kann. Man kann jetzt hingehen, und südamerikanischen Kooperativen höhere Preise zahlen- aber was ist mit den Vietnamesen. Je mehr Leute den "fair" gehandelten südamerikanischen Kaffee kaufen, desto geringer fallen wegen der geringeren Nachfrage die Preise für diese aus. Ein Dilemma, das sich noch vergrößert, wenn ich berücksichtige, dass meine Friseurin für lächerliche 5€ Brutto mir die Spitzen schneidet, und mein KFZ-Mechaniker mit seinem Geld auch gerade mal so über die Runden kommt. Ich kann aber nicht allen einen fairen Preis zahlen, weil ich für meine Arbeitsleistung auch nur das bekomme, was der Markt hergibt, und nebenbei mit meinem Gehalt noch dafür Sorge tragen muss, dass die alleinerziehende Arbeitslose nebenan nicht verhungert und meine Oma Zugang zu der medizinischen Versorgung hat, die sie benötigt. Wo also fange ich an, wo höre ich auf? Ich komme gar nicht frei von Schuld durch dieses Leben- daher bin ich ja auch dringend erlösungsbedürftig. Und diese Schuld wird mir doch in die Wiege gelegt: ich hatte all diese Möglichkeiten und Privilegien, die ein Großteil meiner Altersgenossen weltweit nicht genießen durfte. Und ich glaube tatsächlich, dass diese Schuld genetisch weitervererbt wird. Da ist etwas in unserem "biologischen Programm", das wir nicht so leicht überwinden können; ob man es Eigennutz, Egoismus, Eitelkeit oder wie auch immer nennt, da ist etwas in unserer Natur, von dem wir uns nicht ganz frei machen können. Und nur einer der dieses "genetische Pfündchen" nicht mit auf den Lebensweg bekommen hat, kann uns davon erlöäsen. Aber dieser jemand, davon bin ich überzeugt, kann nicht auf biologischem Weg gezeugt worden sein.
    Wenn auf Johannes Blog von Übersetzungsfehler sprichst, gehe ich davon aus, dass Du dich auf das "Almah" bei Jesaja beziehst. Das ist für mich ein schönes Beispiel für die sogenannten historischen und literarischen "Erkenntnisse": man zieht es einfach gar nicht in Betracht, dass der vorchristliche, jüdische Übersetzer der Septuaginta sich hier möglicher Weise gar nicht geirrt hat, sondern ganz bewusst mit "parthenos" übersetzte- weil die vorchristlichen Juden diese Stelle eben so verstanden. (Ich bin hier blutiger Laie- Hebräisch zu lernen havbe ich aufgegeben und ansonsten verfüge ich nur über stark eingerostete Schulgriechisch-Kenntnisse). Ebenso zieht man gar nicht erst in Betracht, dass ausgerechnet dieser messianische Wanderprediger in einem Landstrich solche Wellen schlug, der messianische Wandereprediger hervorbrachte wie das Meer Sand, weil er im Gegensatz zu den anderen, unzähligen Wanderpredigern tatsächlich über den See ging, Tote auferweckte und Fischbrötchen für riesige Menschenmassen herbeizauberte- obwohl das eine sehr plausible Erklärung ist.

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  5. In deinen Ausführungen zur "Gerechtigkeit" würde ich dir eigentlich zustimmen. Es geht mir nicht darum den Käufer hier als ungerechten Assi darzustellen. Ebenso geht es mir auch nicht darum einen einfachen Begriff von Gerechtigkeit darzustellen. Du hast aber ein Sytem beschrieben, in dem es kaum Gewinner gibt. Leute, die daran um ihr Leben kämpfen. Andere, die um ihre Existenz kämpfen. Nur - kann es dann der Schluss sein, zu sagen, all das ist gerecht (wie du es in deinem ersten Kommentar getan hast) oder naja, wir sind halt Sünder, also können wir nichts anderes tun. Was wir tun können, weiß ich nicht. Aber hinnehmen will ich es nicht. Als Christ. Und ich frage mich, warum Kirchen, die auf Missstände hinweisen, den Stempel eines Parteitages bekommen. Wie gesagt, ist das die einzigste Botschaft einer Kirche, verliert sie ihren Legitimationsgrund. Ist es aber nicht Teil ihrer Botschaft, wie kann sie sich dann Kirche Christi nennen?

    Historisch war Christus weder der erste noch der letzte Wanderprediger. Ich weiß nicht, was wahr in den Evangelien ist und was nicht. Ich weiß nur, dass nicht alles wahr sein kann, dafür widersprechen sie sich zu sehr. Ich weiß, dass sie ein Zeugnis sind, das keine historische Wahrheit beansprucht, sondern ein Glaubenszeugnis sind. Nehme ich ihnen damit etwas? Ich finde nicht. Ob Jesus nun über Wasser ging oder nicht, ist dabei irrelevant. Zumindest für mich. Ich will keinen Glauben, der sich auf Wundergeschichten stützt. Sondern ich kann nur über das Auskunft geben, was ich in meinem Glauben erfahren und verstanden habe, so wie es auch die ersten Evangelisten getan haben.

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  6. Lieber Benni,
    wie gesagt, ich halte es nicht für möglich, wirklich gerechte Verhältnisse für jedermann herzustellen. Das lehrt auch die historische Erfahrubg: wo immer es versucht wurde, schlug das ganze in Tyrannei, oft sogar in Mord und Totschlag um- und das Ergebnis war, dass alle nur gleich arm waren. Und es hat sich eben auch gezeigt, dass unser System immer noch die besten Ergebnisse erzielt. Vor Hundert Jahren hätte sich doch keiner vorstellen können, was man sich heute selbst von einem kleinen Gehalt alles leisten kann. Das ist ein großes Verdienst der gerne verteufelten Globalisierung. Und es ist zu kurz gesprungen, wenn man sagt, unser Wohlstand sei mit der Armut von beispielsweise asiatischen Arbeitern erkauft. Man vergisst zu gerne, dass heute etwa Hunderte von Millionen Chinesen in einem wenn auch noch bescheidenen Wohlstand leben, der für ihre Eltern nicht einmal ein feuchter Traum war. Und die fangen gerade erst an. Unser Wohlstand ist vielmehr durch die Schufterei und Entbehrungen unserer Vorfahren erkauft, als durch menschenunwürdige Zustände in asiatischen Sweatshops. Es dauert eben eine Weile, und kostet viel Mühe, bis man so etwas erreicht. Darauf sollte auch einmal hingewiesen werden, gerne auch durch die Kirchen, wenn die westlichen Selbstgeißelungen mal wieder zu intensiv ausfallen. Es ist meines Erachtens nicht Aufgabe der Kirchen, irgendwelche Systemfragen zu stellen. Sondern dort, wo materielle Not herrscht, diese pragmatisch zu lindern. Und die große geistliche Armut, die in unseren Breiten heute herrscht, muss meines Erachtens mit der gleichen Energie angegangen werden, mit der wir heute Suppenküchen, Krankenhäuser und Entwicklungshilfe betreiben. Da hört man aber leider viel zu wenig.

    Was das zweite Theama angeht, hast Du sicherlich insofern recht, dass nicht jeder Abschnitt der Evangelien als reportageartiger Tatsachenbericht anzusehen ist. Wenn auch nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, dass Jesus jetzt diesen Kranken geheilt hat oder jenen, ich halte es für ausreichend bezeugt, dass er Wunder gewirkt hat. Und auf das größte und am besten bezeugte Wunder, nämlich seine Auferstehung, werden wir uns wohl einigen können. Und man wird meines Erachtens den Evangelisten nicht gerecht, wenn man sagt, sie wollten lediglich Zeugnis ablegen von ihrem persönlichen Glauben. Denn dieser Glaube beinhaltete nunmal, dass Gott Mensch geworden ist und unter uns gewohnt und gewirkt hat, und von dieser historischen Epoche wollten sie eben auch berichten. Das Problem ist eben, dass Gott sich auf subtile Art offenbart: da werden nicht unbedingt blitzezuckend Berge versetzt. Und wie uns die schöne Erzählung von Emmaus lehrt, wird uns Menschen oft erst hinterher klar, was da eigentlich passiert ist. So ist Offenbarung eben nicht nur ein punktuelles objektives Ereignis, sondern auch ein subjektiver Prozess. Und weder als objektives Ereignis, noch als subjektiver Prozess ist sie jemals abgeschlossen. Daher glaube ich schon, dass er uns nie wirklich velassen hat und auch heute noch Wunder wirkt. Nur sind diese unspektakulär genug, damit wir glauben können, und nicht wissen müssen. Sonst wären wir wohl kaum frei in unseren Entscheidungen.
    Wenn Du übrigens sagst, die Evangelien seien Glaubenszeugnisse ihrer Verfasser (was ich ja nicht ganz abstreite): Wie willst Du sie richtig verstehen, wenn nicht im Lichte des treuüberlieferten Glaubens der Vorväter? Mal so als Frage, von Kathole an Evangelen.

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  7. Ich muss mich leider probieren kurz zu fassen, da ich mal wieder von meinem Studium ablenke, was nur bedingt gut ist. ;)

    Ich glaube bei dem ersten Thema kommen wir nicht viel was weiter. Ich merke dennoch, dass in der Kürze der Zeit ich mich leider nicht immer sehr präzise ausdrücke. Mir geht es nicht um die Systemfrage. Mir geht es auch wie gesagt um keine Vereinfachung. Du hast recht, mit der Schilderung woher unser Wohlstand kommt. Wodurch er jedoch ins unermessliche gesteigert und erhalten wird, ist eine andere Frage. Es bleibt für mich dabei, dass man auf Missstände hinweisen muss, ohne zu geißeln. Dass man ein Auge dafür gewinnen muss, wo etwas wie produziert wird. Und dass ich mich fragen muss, was ich wie mit meinem Geld anstelle. Was ich mir leisten kann und wieviel ich mir leisten muss. Deinem Endfazit hingegen kann ich nur voll und ganz zustimmen.

    Dass ein Evangelist nur seinen persönlichen Glauben bezeugt, geht in der Tat zuweit. Worauf ich vielmehr abzielte, war, dass er Zeugnis im Glauben ablegt. Probiert Worte und manchmal auch Geschichten zu finden für das, was er erfahren oder -besser- selber gehört hat und für absolut wahr hält. Es ist ein Glaubenszeugnis, nicht mehr und nicht weniger. Was das richtige Verständnis betrifft, da begeben wir uns verständlicherweise in das nächste Streitthema. Für mich ist das Lehramt über die Schrift die Schrift selbst. In der harten Auseinadersetzung mit ihr, sie zu studieren und durch die Führung Gottes erhoffe ich, sie richtig zu verstehen und für mich zu begreifen. Dafür können die Worte der Väter hilfreich sein, müssen sie aber nicht. Auch sie sind Worte fehlerhafter Menschen, die als Kinder ihrer Zeit im Glauben probiert haben, die Schrift zu deuten.

    So, muss oder vielmehr darf mich nun aber mal wieder meinem Studium zuwenden.

    Gesegneten Sonntag!

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  8. Danke Dir auch. Und Danke für die kleine, anregende Diskussion. Und natürlich viel Erfolg beim Lernen!

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